Use Case

HDR-Bildgebung und Tone Mapping

Zuverlässige Defekterkennung bei herausfordernden Lichtverhältnissen

In der Industrie- und Elektronikfertigung kommen oft kontrastreiche Szenen mit hellen, reflektierenden Oberflächen neben dunklen, vertieften Bereichen vor. Standard-Bildgebungssysteme haben hier Schwierigkeiten, vollständige Details zu erfassen – insbesondere unter Durchsatz-Beschränkungen. Basler bietet ein Portfolio an HDR-Lösungen, die auf die Anforderungen an Bewegung, Kontrast und Durchsatz zugeschnitten sind. Dieser Use Case veranschaulicht, wie die IMX676-basierte DOL HDR-Option in der Praxis funktioniert.

Der Vergleich von HDR-Bildern vor und nach der Aufnahme zeigt die verbesserte Detailtreue in den sehr hellen und dunklen Bereichen
HDR-Vergleich vorher und nachher: verbesserte Detailtreue in den sehr hellen und dunklen Bildbereichen

Sichere Prüfung von reflektierenden, transparenten und schattigen Oberflächen

Viele Anwendungen zur Erkennung von kontrastarmen, mikroskopisch kleinen Defekten sind häufig mit extremen Kontrastsituationen konfrontiert. Diese stellen eine erhebliche Herausforderung für die Bildgebung dar. Zu den typischen Anwendungsszenarien gehören:

BGA-Inspektion

BGA-Inspektion

Hochreflektierende Lötkugeln erzeugen einen scharfen Kontrast zum dunkleren Trägermaterial
HDR-Bildgebung -Edelsteinprüfung

Kontrolle von Edelsteinen

Hochreflektierende, facettierte Oberflächen mit komplexen Lichtinteraktionen
HDR-Bildgebung - Qualitätsprüfung in der Automobilindustrie

Automotive-Inspektion

Glänzende und schimmernde Oberfläche gegen matte, dunkle Panels.

In diesen anspruchsvollen Szenarien bleibt selbst unter einem optimalen Beleuchtungsdesign der grundlegende optische Konflikt teilweise bestehen: helle, reflektierende Bereiche richtig zu belichten, ohne sie überzubelichten, andererseits genügend Details in dunklen Bereichen zu erfassen, ohne sie unterzubelichten.

Herkömmliche Bildgebungsverfahren haben Schwierigkeiten, wichtige Details über den gesamten Dynamikbereich dieser kontrastreichen Szenen gleichzeitig zu erfassen. Diese Einschränkung führt häufig zum Verlust wesentlicher Informationen in den sehr hellen und dunklen Bildbereichen. Dadurch kann die Fehlererkennung in Anwendungen mit Präzisions-Inspektionen ungenau und unzuverlässig werden.

Anwendungsbeispiel: IMX676-basiertes HDR mit Baslers kamerainternem Tone Mapping

Die Basler ace 2 mit Sonys IMX676 Sensor liefert über 90 dB Dynamikumfang mit DOL HDR. Dank der in der Kamera implementierten Tonwertanpassung (Tone Mapping) liefert sie direkt ausgewogene Bilder ohne Host-seitige Verarbeitung. Sie unterstützt Bayer8-, Bayer16-, RGB8- und YCbCr-Ausgabe für die Anzeige und die algorithmische Verwendung.

DOL HDR überlappt lange und kurze Belichtungen. So kann die nächste Belichtung beginnen, bevor die vorhergehende beendet ist. Dies minimiert erheblich den zeitlichen Versatz zwischen den Belichtungen.
DOL HDR überlappt lange und kurze Belichtungen. So kann die nächste Belichtung beginnen, bevor die vorhergehende beendet ist. Dies minimiert erheblich den zeitlichen Versatz zwischen den Belichtungen.

Nutzen Sie DOL HDR für nahtlose Aufnahmen heller und dunkler Bildbereiche

Digital Overlap (DOL) HDR wurde für Rolling Shutter-Sensoren entwickelt, bei denen die Zeilen nacheinander belichtet werden. Anstatt zu warten, bis das gesamte Bild fertig belichtet ist, beginnt DOL HDR mit der nächsten Belichtung, während die erste noch läuft. Diese Überlappung ermöglicht HDR innerhalb einer einzigen Bildperiode, ohne dass mehrere Vollbildaufnahmen erforderlich sind.

Basler integriert DOL HDR direkt in die ace 2 IMX676 Kamera durch Firmware-Optimierung und integriertes Tone Mapping. Diese Implementierung liefert eine Ausgabe mit hohem Dynamikbereich, die sofort für die Visualisierung oder Verarbeitung zur Verfügung steht. Eine externe Synchronisation, ein komplexes Belichtungs-Timing oder eine Host-seitige Bildzusammenführung sind hierfür nicht notwendig.

Das Ergebnis: nahtlose Erfassung sehr heller und dunkler Bildbereiche in einem einzigen Bild. Dieses ist ideal, um Defekte wie Mikrorisse, Kratzer oder Verunreinigungen zu erkennen – selbst in Szenen mit hohem Reflexionsgrad oder starkem Kontrast.

Vergleich von HDR und Tone Mapping
HDR macht Details in hellen und dunklen Bildbereichen wieder besser sichtbar; Tone Mapping sorgt für eine natürliche, displaytaugliche Ausgabe.

Von den Rohdaten zur Anzeige: Die Rolle des Tone Mapping

HDR-Sensoren wie der IMX676 geben Daten mit hoher Bittiefe aus (z. B. 16-Bit-Bayer), wodurch der volle Dynamikbereich in den sehr hellen und dunklen Bildbereichen erhalten bleibt. Tone Mapping komprimiert diesen Dynamikbereich nichtlinear in 8-Bit-Formate (z. B. Bayer8, RGB, YCbCr) für die Anzeige auf Standardmonitoren. Bei der ace2 IMX676 ist das Tone Mapping direkt in die Kamera-Firmware integriert. Dies ermöglicht natürlich wirkende Bilder in Echtzeit ohne zusätzliche Host-seitige Verarbeitung.

Für Bildverarbeitungs-Anwendungen, welche die Bilder algorithmisch verarbeiten, ist Tone Mapping jedoch optional. Die Algorithmen arbeiten direkt mit den Rohdaten mit hoher Bit-Tiefe, wobei der volle Dynamikbereich und die Präzision erhalten bleiben.

Kamerainternes DOL HDR und Tone Mapping vs. Softwarelösung

Kamerainternes DOL HDR mit Tone Mapping bietet erhebliche Vorteile gegenüber softwarebasierten HDR-Ansätzen wie OpenCV. Da sich die Belichtungen überlappen, wird der zeitliche Abstand zwischen langen und kurzen Belichtungen deutlich verringert. Dies ist bei der Softwareverarbeitung nicht der Fall. DOL HDR führt zu einer schnelleren und genaueren HDR-Ausgabe, insbesondere bei Echtzeit- und bewegungsempfindlichen Anwendungen. Die nachfolgende Tabelle stellt die Hauptunterschiede gegenüber.

Eigenschaften

ace 2 IMX676 mit DOL HDR + Tone Mapping

Softwaregestütztes HDR (z. B. OpenCV)

Verarbeitungsgeschwindigkeit

Echtzeit in der Kamera

Langsam, erfordert CPU/GPU-Verarbeitung

Latenz

Sehr niedrig

Hoch

Bewegungsartefakte

Minimiert

Höheres Risiko von Ghosting

Bandbreiteneffizienz

Einzelbild-optimierte Ausgabe

Übertragung mehrerer Bilder

Anwendungsfälle

Industrielle Bildverarbeitung

Fotografie; Nachbearbeitungsszenarien

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HDR-Methoden im Vergleich: Wählen Sie die richtige für Ihre Anwendung aus

Der IMX676 Sensor mit DOL HDR und Tone Mapping ist für viele Mainstream-Anwendungsfälle ideal. Basler unterstützt darüber hinaus mehrere HDR-Methoden, die jeweils auf spezifische Anforderungen zugeschnitten sind.

HDR-Methoden

Technik

Auswirkung auf die Bildrate

Robustheit gegenüber Bewegung

Auflösung

Bildqualität (SNR)

Dynamikbereich2

Aufnahme mehrerer Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten







Mehrfachbelichtung

Mehrfache (N) Bilder, Kombination und Tone Mapping auf dem Host-System durchgeführt

1/N

Gering

Vollständig

♦♦♦

+(N-1) x ■■

DOL HDR1 (z. B. IMX 676)

Zwei Belichtungen mit kamerainterner Verarbeitung (Kombination und Tone Mapping)

Mäßig

Mäßig

Vollständig

♦♦♦

+■■⧠⧠

Quad HDR1 (z. B. IMX900)

Mehrfache Belichtungszeiten

in einer einzelnen Szene mittels

Per-Pixel-Kontrolle

Keine

Gut

1/4

♦♦♦♦

+■■■■

Interleaved HDR

(z. B. GMAX Sensoren)

Zwei unterschiedliche Belichtungszeiten Zeile für Zeile innerhalb einer einzelnen Bildaufnahme

Keine

Gut

1/2

♦♦♦

+■■⧠⧠

Eine Bildaufnahme, multiple Verstärkungen







Dual Gain

Einzelne Belichtung, welche denselben Pixel mit zwei unterschiedlichen Verstärkungen liest

1/2 bis mäßig, abhängig vom Sensor

Gut

Vollständig

+◪⧠⧠⧠

Dual Conversion Gain (DCG)1

(z. B. IMX53X Serie)

Einzelne Belichtung, welche denselben Pixel mit zwei unterschiedlichen Verstärkungen liest

Keine

Gut

Vollständig




+◪⧠⧠⧠

Clear HDR1

(z. B. IMX676)

Einzelne Belichtung, welche denselben Pixel mit zwei unterschiedlichen Verstärkungen liest

Keine

Gut

Vollständig

+◪⧠⧠⧠

Eine Bildaufnahme, andere Techniken







Binning-Fusion

Kombinieren benachbarter Pixel (N) innerhalb eines Bildes

Keine

Gut

1/N

♦♦♦

+◪⧠⧠⧠

IMX490

Jeder Pixel hat zwei sensitive Bereiche

Keine

Exzellent

Vollständig

♦♦♦

+■■■■

Fußnote:

1. Feature von Sony

2. Die tatsächliche Verbesserung des Dynamikbereichs hängt von der Sensorarchitektur, den Szeneneigenschaften und der Implementierung ab. Die Symbole geben die relative Leistungsfähigkeit an und bedeuten keine feste oder garantierte Leistung. Ein volles Kästchen steht für 12dB, ein halbes Kästchen für 6dB.

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen HDR-Implementierung liegt im Verständnis Ihrer spezifischen Prüfanforderungen. Wenn Kunden mit schwierigen Beleuchtungsszenarien an uns herantreten, bewerten wir ihre Objektbewegungsmuster, Durchsatz- und Qualitätsanforderungen. Daraufhin empfehlen wir den optimalen HDR-Ansatz. Unser F&E-Team hat eine Reihe von HDR-Methoden entwickelt, die jeweils auf unterschiedliche Bewegungs-, Auflösungs- und Integrationserfordernisse zugeschnitten sind.
Bill Lee
FPGA-Entwickler

Zusammenfassung: Warum sollten Sie sich für Basler HDR-Bildgebung entscheiden?

Für Hochgeschwindigkeitslinien oder detailkritische Inspektionen gibt es nicht die eine HDR-Methode. Deshalb bietet Basler flexiblere HDR-Lösungen für unterschiedliche Bewegungs- und Bildgebungsanforderungen:

  • Umfangreiche Optionen: Umfasst Multi- und Einzelbelichtungsmethoden, Funktionen auf Sensorebene und FPGA-basierte Verarbeitung.

  • Integrationsfreundlich: Echtzeit-HDR und kamerainternes Tone Mapping reduzieren den Verarbeitungsaufwand auf der Host-Seite.

  • Skalierbar und zukunftssicher: Unterstützt die neuesten Sensortechnologien für künftige Inspektionsanforderungen.

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Unsere Ingenieure helfen Ihnen bei der Entscheidung, welche HDR-Lösung für Ihre Prüfanforderungen am besten geeignet ist, ob DOL HDR, Dual ADC oder Quad HDR.

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