Schnittstellen & Standards

Kameraschnittstellen und PC-Karten für Multi-Kamerasysteme

Für maximale Performance in Ihrem Multi-kameraystem bieten wir verschiedene Schnittstellen: CXP-12, USB 3.0 oder GigE. Mit der passenden PC-Karte wird eine stabile Bildübertragung für jede Anwendung sicher gestellt.

  • Letzte Aktualisierung: 09.03.2026

Das Wichtigste zu Kameraschnittstellen und PC-Karten für Multi-Kameraysteme

  • Die Wahl der passenden Kameraschnittstelle (CXP-12, USB 3.0 oder GigE) und PC-Karte ist entscheidend für die Performance, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit von Multi-Kamerasystemen.

  • GigE gilt als besonders geeignete Schnittstelle für Multikamera-Setups, da sie lange Kabellängen, hohe Skalierbarkeit und flexible Integration ermöglicht

  • PC-Karten (Interface Cards) sind das zentrale Bindeglied zwischen Kameras und PC und bestimmen maßgeblich die Datenrate, Systemstabilität und einfache Integration, insbesondere bei komplexeren oder größeren Multi-Kamerasystemen.

Die Kameraschnittstellen für Multi-Kamerasysteme im Vergleich

Die Schnittstellen CXP-12, USB 3.0 oder GigE haben für Multi-Kamerasysteme ihre eigenen Vor- und Nachteile, die je nach Anwendungsgebiet und Einsatzszenario die jeweilige Auswahl begründen können.

  • CoaXPress (CXP) ist ein etablierter Standard in der industriellen Bildverarbeitung, der durch hohe Geschwindigkeit, geringe Latenz und maximale Leistung überzeugt. Je nach Anforderung kommen dabei entweder eine preisgünstige Interface Card oder ein technisch erweiterter Framegrabber zum Einsatz.

  • Gigabit Ethernet (GigE) ist seit 2006 ein führender Standard in der industriellen Bildverarbeitung. Dank Kabellängen bis 100 m, einfacher Multi- Kamera-Integration und breiter IT-Unterstützung wird er besonders für erweiterbare, vielseitige Anwendungen bevorzugt.

  • USB 3.0 ist dank des seit 2013 etablierten USB3 Vision Standards mit definierten Schnittstellen und Kommunikationsregeln für die industrielle Bildverarbeitung nutzbar. USB 3.0 ist ein verbreiteter Standard im Consumer-Markt, daher unterstützt die gängige Hardware USB 3.0.

Die Eigenschaften der Schnittstellen

Eigenschaft

CXP-12

GigE

USB 3.0

Bandbreite

Sehr hoch (12,5 Gbps pro Kanal)

Hoch (1–10 Gbps)

Standard (>350 MBps)

Kabellänge

Bis 40 m (über 100 m bei niedriger Bandbreite)

Bis 100 m (erweiterbar über Switches)

Bis 8 m

Plug-and-play

Ja

Ja

Ja

Ein-Kabel-Lösung

Daten & Strom über Koaxialkabel

Ja (PoE möglich)

ggf. mit zusätzl. HW

Systemflexibilität

Präzise Synchronisation (bis zu 4 Kameras)

Hohe Skalierbarkeit

Sehr flexibel für Einzel- und kleine Systeme

Hardwareverfügbarkeit

Gute Verfügbarkeit

Hohe Skalierbarkeit

Weit verbreitet

CPU-Belastung

Gering

3–15 % (optimierbar)

Gering

Framegrabber nötig

Meistens

Nein

Nein

Kosten

Hoch (wegen Framegrabber)

Niedrig

Niedrig

Kameragröße

Tendenziell größer (wegen Sensor/Wärme)

Kompakt

Kompakt

Komplexität Multikamera

Limitiert (bis zu 4)

Hohe Skalierbarkeit, aber CPU-Belastung beachten

Schwierig ab >4 Kameras (Bandbreitenlimitierung)

Zusatzausstattung

Framegrabber oder Interface Card nötig

Meist Interface Card für maximale Leistung nötig

Keine zusätzlichen Karten nötig

CPU-Leistung

-

Standard ca. 10–15 % (optimierbar auf 3–8 %)

-

Rolle und Auswahl der passenden PC-Karten für Multi-Kamerasetups

Für einen zuverlässigen und skalierbaren Betrieb von Multi-Kamera-Systemen ist die richtige Auswahl und Konfiguration geeigneter PC-Karten (Interface Cards) entscheidend. Sie bilden das zentrale Bindeglied zwischen Machine Vision Kameras und Industrie-PC, werden im PC eingebaut und digitalisieren die analogen Kamerasignale. Sie sorgen für eine reibungslose Bilderfassung und -übertragung und beeinflussen maßgeblich die Systemstabilität sowie die Bildübertragungsrate.



Bedeutung von PC-Karten bei Multi-Kamerasystemen

PC-Karten sind die zentrale Komponente für Multi-Kamera-Setups, sofern es sich nicht um einfache USB 3.0 Systeme handelt. Für GigE- und CXP-Setups sind sie zwingend notwendig und bestimmen Datenraten, Kabellängen, Skalierbarkeit und für den Entwickler Integrationskomfort.

Tipps zur Auswahl passender PC-Karten

  • Wird der On-Board Host-Controller des PCs bereits von Peripheriegeräten genutzt, empfiehlt sich der Einsatz dedizierter PC-Karten, um Störungen zu vermeiden.

  • Idealerweise werden ausschließlich getestete und vom Hersteller freigegebene Treiber verwendet, um Kompatibilität und Systemstabilität zu gewährleisten.

  • Dedizierte Chipsätze auf PC-Karten helfen, Rechenleistung zu sparen und die Performance zu optimieren.

  • Manche PC-Karten versorgen die Kamera direkt mit Strom (PoE), was zusätzliche Verkabelung und Netzteile überflüssig macht.

GigE als Beispiel-Schnittstelle für Multi-Kamerasetups

GigE ist wegen technischer und wirtschaftlicher Vorteile ideal für Multikamera-Systeme. Die Auswahl und Ausstattung leistungsfähiger Interface Cards ist entscheidend für Funktionssicherheit, Skalierbarkeit und eine einfache Integration im industriellen Umfeld.

  • Notwendigkeit spezieller PC-Karten: Der Standard-PC besitzt in der Regel nur einen GigE-Port, der meist bereits für Steuerungsaufgaben belegt ist. Für Multikamera-Anwendungen sind deshalb zusätzliche PC-Karten erforderlich, die mehrere Ports und die nötige Bandbreite bereitstellen.

  • Bandbreite und Portanzahl: Machine Vision Kameras benötigen die volle Bandbreite des jeweiligen Ports. Das Anschließen mehrerer Kameras an einen einzelnen PC-Port über einen Switch ist wegen Bandbreitenbegrenzungen meist nicht praktikabel. PC-Karten mit mehreren Ports schaffen hier Abhilfe und vereinfachen das System.

  • Typen von Interface Cards: In der Praxis werden meist GigE Interface Cards mit 1, 2 oder 4 Ports und 1 Gbit/s Bandbreite genutzt. Modelle mit noch mehr Ports sind selten, können aber zusätzliche Netzwerkkomponenten und mögliche Fehlerquellen ersetzen und die Systemkomplexität verringern.

  • PoE-Funktion: Viele Interface Cards unterstützen Power over Ethernet (PoE). Dadurch kann eine Ein-Kabel-Lösung realisiert werden, was die Stromversorgung vereinfacht und den Verkabelungsaufwand reduziert.

  • Erweiterte Lösungen für hohe Kamerazahlen: Für Setups mit vielen Kameras stehen auch 10 Gbit/s Interface Cards zur Verfügung. Damit lassen sich z. B. zehn 1 Gbit-Kameras mit voller Leistung oder sogar noch mehr Kameras über den Einsatz eines Switches betreiben. Kameras mit mehr als 1 Gbit benötigen entsprechende 10 Gbit/s Interface Cards, da 5 Gbit/s-Lösungen derzeit nicht den Anforderungen entsprechen. 10 Gbit/s Karten sind in der Regel rückwärtskompatibel.

Mehrkamera-Inspektionssystem mit synchronisierten GigE-Kameras
Mehrkamera-Inspektionssystem mit synchronisierten GigE-Vision Kameras zur kontinuierlichen Qualitätskontrolle auf einem Förderband.

Einsatzszenarien für Multi-Kamerasysteme mit GigE-Kameras

Die Entscheidung für ein direktes Triggerkabel, PoE oder Software-Triggering sowie die Auswahl und Anzahl der Interface Cards legen die grundlegende Systemarchitektur fest. Dadurch reicht das Spektrum von einer einfachen Lösung mit nur einer Kamera bis hin zu einem hochskalierbaren Multi-Kamerasystem.

Die Tabelle zeigt, bei wie vielen Kameras, welche Technik und Infrastruktur sinnvoll ist.

Systemgröße

Stromversorgung / Infrastruktur

Auslösung / Triggering

Vorteil

Besonderheiten / Hinweise

1–4 Kameras

Triggerkabel (direkt) oder optional PoE

Klassisch über Triggerkabel

Geringe Komplexität, einfache Verkabelung

PoE nicht zwingend nötig

5–8 Kameras

PoE der Interface Card (Ein-Kabel-Lösung)

Über Software-Triggering

Weniger Kabel, erhöhte Flexibilität

Software-Triggering auch <4 möglich

Bis zu 10 Kameras

10GigE Interface Card (1 Port) + 10GigE-Switch

Über Software

Skalierbarkeit, volle Bandbreite

Jede Kamera mit 1 Gbit/s angeschlossen

Bis zu 20 Kameras

10GigE Interface Card (2 Ports) + 10GigE-Switch

Über Software

Zentrale Verwaltung, maximale Skalierung

Zwei Ports bündeln bis zu 20 Kameras

Anwendungen mit Multi-Kamerasystemen

In industriellen Bildverarbeitungsanwendungen ist der gleichzeitige Einsatz mehrerer Kameras entscheidend – zum Beispiel für 3D-Triangulation, Bewegungsanalysen, Qualitätsinspektionen oder Fließbandapplikationen. Ob bei der präzisen Erfassung eines Torschusses im Fußball oder bei der normgerechten Bauteilprüfung: Multikamera-Systeme liefern zu exakt definierten Zeitpunkten alle relevanten Bilddaten.


Railway Inpection
Inspektionsfahrzeug mit Kameras zur Schieneninspektion

Railway Inspection

Die regelmäßige Inspektion von Eisenbahnschienen ist essenziell für die Sicherheit im Schienenverkehr. Moderne Inspektionsfahrzeuge nutzen vier GigE-Kameras, um Schienen von Ober- und Seitenflächen auf Mängel zu prüfen.

Für die Qualitätskontrolle an fahrenden Zügen werden zusätzlich Multikamera-Setups eingesetzt: Drei GigE-Kameras erfassen Waggons und Räder aus verschiedenen Positionen – bis zu 60 km/h schnell.

Die langen Kabelwege ermöglichen eine zuverlässige Verbindung zwischen Fahrzeugsystem und Kontrollraum und sichern so eine effiziente Fehlerdetektion im laufenden Betrieb.

Kamerabasierte Analysesysteme beim Tennis
Kamerabasierte Analysesysteme beim Tennis

Sportapplikationen

Kamerabasierte Analysesysteme unterstützen Tennis- und Fußballanwendungen auf höchstem Niveau. Im Tennis zeichnen fünf Kameras jede Bewegung von Ball und Spieler auf und werten alle Schlagvarianten automatisch aus.

Im Profifußball erfassen drei GigE-Kameras lückenlos das gesamte Spielfeld. Die Bilder werden per Software in Echtzeit zu einem hochauflösenden Videopanorama zusammengeführt – inklusive Schwenk- und Zoomfunktion für vollständige Kontrolle und detaillierte Auswertung.

Automotive-Fließbandanwendung prüft zahlreiche Autoscheinwerfer
Automotive-Fließbandanwendung prüft zahlreiche Autoscheinwerfer

Fließbandapplikation

Bei einer typischen Automotive-Fließbandanwendung prüfen mehrere GigE Machine Vision Kameras beispielsweise Frontrahmen auf Maßhaltigkeit und Vollständigkeit. Optimierte LED-Beleuchtung sorgt für gleichmäßige Ausleuchtung.

Jede Kamera arbeitet im exakt getakteten Zyklus, die Abbildung dauert nur wenige Sekunden. Power-over-Ethernet minimiert den Verkabelungsaufwand und erleichtert Wartung sowie Installation.

Die Ansteuerung erfolgt zentral über eine Software. Schnelles elektronisches Shuttering ermöglicht zuverlässige Bildgebung auch bei hoher Bandgeschwindigkeit.

Multikamera-Systeme in der Logistik
Multikamera-Systeme in der Logistik für große Lagerhallen zur Prozessoptimierung

Logistik

Schnelle und präzise Warenlieferungen sind für effiziente Wertschöpfungsketten unverzichtbar.

Automatisierte Systeme beschleunigen und sichern Logistik- und Materialbereitstellungsprozesse.

Durch GigE-Schnittstellen mit Kabellängen bis zu 100 Metern eignen sich Multikamera-Systeme optimal für große Lagerhallen und tragen maßgeblich zur Prozessoptimierung bei.

Nutzung von Kamerasystemen im Retail-Bereich
Kamerasysteme im Retail-Bereich etwa in Rücknahmeautomaten, Self-Check-Outs und zur Analyse des Kundenverhaltens

Retail

Im Retail-Sektor werden Kamerasysteme vielseitig genutzt, etwa in Rücknahmeautomaten, Self-Check-Outs und zur Analyse des Kundenverhaltens.

Multikamera-Setups ermöglichen die Erfassung von Kundenströmen und Verweildauern und unterstützen so die Optimierung der Warenpräsentation.

Dank GigE-Schnittstellen lassen sich die Systeme einfach und flexibel in große Filialen integrieren.

Fazit

Eine Universalschnittstelle für alle Anwendungen gibt es leider nicht – Schnittstellen wie GigE, USB oder CoaXPress werden daher auch künftig nebeneinander bestehen.

Tools wie der Interface Advisor helfen Ihnen, die optimalen Kameras und Komponenten für spezifische Anforderungen zu finden.

Wie können wir Sie unterstützen?

Wir beraten Sie gerne bei der Produktauswahl und finden die richtige Lösung für Ihre Anwendung.