Embedded Vision

Processing Plattform-Konzepte in Embedded Vision

Im Laufe der letzten Jahre ist die Entwicklung von leistungsstarken Processing Boards so weit vorangeschritten, dass sie mittlerweile in der Lage sind, PC-basierte Systeme zu großen Teilen zu ersetzen. Auch industrietaugliche Vision Komponenten werden immer kleiner. Kameras die früher groß und teuer waren, können heute preisgünstig und in besonders kompakter Baugröße hergestellt werden.

  • Letzte Aktualisierung: 05.03.2026

Processing Plattform-Konzepte in Embedded Vision

Die Kombination aus kleinen Processing Boards und miniaturisierten Kameramodulen wird als Embedded Vision bezeichnet. Embedded Vision bietet vielen Anwendungsbereichen Vorteile – vom Einsatz in medizinischen Diagnosegeräten bis hin zu industrieller Automation.

Anders als in der klassischen PC-Welt, ist die Prozessorlandschaft im Embedded Vision Bereich heterogen. Der folgende Artikel zeigt die unterschiedlichen Architekturen der Processing Plattformen auf und liefert einen Überblick über heutige Konzepte.

System-on-Chip (SoC)

Der System-on-Chip (SoC) ist der Kern einer Embedded Architektur. Hier findet die eigentliche Bildverarbeitung statt. Oft wird der Begriff SoC mit Prozessor gleichgesetzt. Tatsächlich enthält ein SoC jedoch sehr viel mehr: Neben der ein- oder mehrkernigen CPU (Central Processing Unit) befinden sich auf dem gleichen Chip die GPU (graphics processing unit, sozusagen die Grafikkarte des Chips), Schnittstellencontroller (z.B. für USB, Ethernet, I²C), interne Bussysteme, Multimedia-Hardware (z.B. Video En- und Decoding), internes Powermanagement usw. Kurz: Ein SoC vereinigt viele Kernbestandteile eines PCs auf einem einzigen Chip.

Prominente Vertreter häufig verwendeter SoCs gehören z.B. zur NVIDIA® Jetson™-, Qualcomm Snapdragon-, oder NXP® i.MX-Serie.

Embedded Board SoC

System-on-Module (SoM)

Ein System-on-Module (SoM, auch manchmal CoM (Computer-on-Module) genannt) enthält einen SoC, ergänzt wichtige Komponenten wie Speicher (RAM), Powermanagement, sowie weitere Bussysteme zur Ansteuerung der Komponenten – und macht den SoC so praktisch nutzbar. Bildlich gesprochen: Während der SoC eine Fabrik ohne Anbindung an die Außenwelt ist, ergänzt der SoM ein Lagerhaus, Stromversorgung, sowie eine Verkehrsanbindung. Er macht außerdem möglich, mit dem Leiter der Fabrik zu kommunizieren.

Ein SoM hat einen oder mehrere – oftmals standardisierte – Steckverbinder, über die dann der SoM (und damit die auf dem SoM enthaltenen Komponenten – z.B. der SoC) mit der Außenwelt kommuniziert. Nun kann man direkt an diese Steckverbinder allerdings keine externen Geräte (z.B. Netzwerk, Stromversorgung, Kameras) anschließen. Dazu benötigt man ein sogenanntes Carrier Board (dt. Trägerplatine).

Trotzdem – wann immer von einem SoM die Rede ist, ist der SoC bereits in dieser Komponente enthalten.

Embedded Board SoM

System-on-Module (SoM) + Carrier Board

Wie bereits beschrieben, enthält der SoC lediglich Schnittstellencontroller. Was fehlt, ist der physikalische Konnektor (z.B. Ethernet-Stecker). Hier kommt das Carrier Board (dt. Trägerplatine) ins Spiel. Wie oben beschrieben haben SoMs an der Unterseite eine standardisierte Steckerleiste, mit denen sie sich mit einem Carrier Board verbinden lassen. Auf den Carrier Boards sind dann die physikalischen Konnektoren angebracht, mit denen sich Peripheriegeräte (z.B. Displays, Kontrolleinheiten, Kameras) anschließen lassen. Im Gegensatz zum SoC oder SoM lassen sich Carrier Boards verhältnismäßig einfach entwickeln. Die Idee des modularen Embedded Ansatzes ist es also, dass Entwickler sich SoMs von der Stange kaufen und sich das Carrier Board selbst entwickeln. Das ist günstiger als ein Full Custom Design (s.u.) und bewahrt einen hohen Grad an Flexibilität – denn welche Stecker auf dem Carrier Board untergebracht werden, kann auf diese Weise der Entwickler selbst entscheiden. Auf diese Art können USB-, GigE-, aber auch proprietäre Kameraschnittstellen wie MIPI CSI-2 zum Anschluss einer oder mehrerer dart Kameras integriert werden.

Achtung: Im Spezialfall enthalten auch SoMs bereits einzelne physikalische Konnektoren. Das ist jedoch eher die Ausnahme.

Embedded Carrier Board

Single Board Computer (SBC)

Neben dem modularem SoM + Carrier Board-Konzept, existiert das Konzept des Single Board Computers, kurz SBC. Ein Single Board Computer ist im Prinzip nichts anderes, als ein SoM + Carrier Board, dass auf einer einzigen Platine integriert ist (-> Single Board Computer). Prominentester Vertreter ist der Raspberry Pi. Dieser SBC hat eine Reihe von Anschlüssen (4x USB2, 1x MIPI CSI-2, …) bereits auf dem Board, sodass Peripheriegeräte ohne die Entwicklung von einem zusätzlichen Carrier Board angeschlossen werden können. Das hat den Vorteil, dass ein SBC sehr einfach in Betrieb genommen werden kann – jedoch auch den Nachteil, dass wenn im Falle vom Raspberry Pi einmal fünf USB 2.0-Anschlüsse benötigt werden, das inflexible SBC-Konzept an seine Grenzen geführt wird. Der SBC hat also den geringsten Entwicklungsaufwand, aber auch die geringste Flexibilität.

Wollen Unternehmen applikationsspezifische Recheneinheiten in sehr großen Stückzahlen verkaufen, ist der SBC eher hinderlich, da er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Anschlüsse oder Bauteile mitbringt, die für die Applikation gar nicht gebraucht werden. Diese Erkenntnis führt uns zum letzten Embedded Architektur-Konzept, dem Full Custom Design.

Embedded Board SbC

Full Custom Design

Um die Vielfalt der Embedded Architekturen vollständig zu beschreiben, gehört die Klasse der Full Custom Designs (FCD) in diese Aufzählung. Ein FCD ist nichts anderes als ein Single Board Computer, der von einem Unternehmen entwickelt wurde, das diesen in einer Applikation einsetzt, ohne ein wirtschaftliches Interesse zu haben, den FCD einzeln zu verkaufen. Vielmehr soll lediglich das Gesamtsystem verkauft werden, in das das FCD integriert ist. Ein FCD ist also ein SoM + Carrier Board, das in sehr kundenspezifischer Ausprägung auf einem Board untergebracht ist.

Beispiel: Ein Medizintechnikunternehmen plant die Entwicklung eines handgehaltenen Gerätes zur bildlichen Erfassung und Nachverfolgung von auffälligen Leberflecken auf der Haut. Der SoM + Carrier Board-Ansatz wäre hier eine Möglichkeit, ist jedoch aufgrund der Tatsache, dass das Aufeinanderstecken des SoMs + Carrier Boards immer noch viel Platz beansprucht, nicht praktikabel.

Das Unternehmen plant außerdem den Verkauf mehrerer Tausend Produkte. In diesem Fall entschließt sich das Unternehmen dazu, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist, einen eigenen SBC (SoM + Carrier Board auf einer einzelnen Platine) zu entwickeln. Dieser ist hoch applikationsspezifisch – jedoch auch extrem kostenoptimiert, weil er nur Komponenten enthält, die für die Anwendung von Nöten sind.

Embedded Board Full Custom Design

Fazit

Für Embedded Vision spielen Processing Plattformen eine wichtige Rolle. Sie Boards können unterschiedlich designt sein. Je nach Stückzahlen, Know How, Art des übergeordneten Systems und Anforderungen an die Bildverarbeitung, gibt es eine Spannbreite verschiedener Konzepte. Je weiter sich die gewählte Processing Plattform von Off-the-shelf-Komponenten entfernt ist, umso größer ist der Entwicklungs- und Integrationsaufwand – umso kleiner ist jedoch der Stückpreis bei nennenswerten Stückzahlen.

Unsere Embedded Vision Produkte

Wie können wir Sie unterstützen?

Wir beraten Sie gerne bei der Produktauswahl und finden die richtige Lösung für Ihre Anwendung.